Die mangelnde Kenntnis über
die Sprache der Hunde
ist leider immer noch ein großes Problem bei der Hundeerziehung.
Viele Verhaltensweisen des Hundes werden von uns falsch interpretiert
und auf Grund dessen auch
falsch darauf geantwortet. Dies führt dazu, dass unser
menschliches
Verhalten für Hunde oft unlogisch und frustrierend ist. Und auf diese
Art kann nie eine harmonische Beziehung zu einem Hund aufgebaut werden.
Mein Bestreben ist es, Ihnen dabei behilflich zu
sein, die Kommunikation zwischen Ihnen und Ihrem Hund zu verbessern, denn
Verständigung ist die Basis der Erziehung.
Um Ihnen zu verdeutlichen, wie Mensch und Hund oft aneinander vorbei kommunizieren und der Mensch sich dadurch selbst Hundeprobleme oder besser gesagt eigene Probleme macht, zitiere ich ein kleines Beispiel aus dem Buch von Jan Nijboer, „Hunde verstehen mit Jan Nijboer“:
„Ihr junger Hund „Stöpsel“
ist bereits stubenrein. Wenn Sie jedoch nach Hause kommen, legt er sich
aufgeregt auf die Seite und pinkelt. Sie schimpfen mit ihm, weil Stöpsel
bereits gelernt hat, wo er pinkeln darf – nämlich draußen. Aber Stöpsel
pinkelt weiter. Bei der nächsten Begrüßung läuft er in geduckter Haltung
„tröpfelnd“ um Sie herum. Weil der Flur jetzt mit Urin verschmutzt ist,
sind Sie wortwörtlich „stinkend“ sauer. Da kommt von Stöpsel die letzte
„Zugabe“: Nun kötelt er durch den ganzen Flur. Auch das noch!
Erklärung:
Stöpsel legt
sich bei der zuerst beschriebenen Begrüßung auf die Seite und zeigt
dadurch submissives (unterwürfiges) Verhalten. Das Pinkeln soll bei den
Rudelgenossen Versorgungsverhalten in Form von Ablecken hervorrufen. Weil der Mensch
in diesem Fall genau konträres Verhalten zeigt, pinkelt Stöpsel
womöglich noch mehr – in der Hoffnung, der Mensch werde es dann
verstehen. Bei der nächsten Begrüßung ist Stöpsel komplett verunsichert,
sodass er durch die negative Spannung auf Abstand bleibt und überall ein
wenig pinkelt, damit der Mensch durch den Urin von ihm abgelenkt wird.
Wenn dies allerdings nicht passiert, kotet er aus reiner Angst. (Indem
er sich entleert, bereitet sich der Körper auf eine mögliche Flucht vor.
Daher kommt wohl auch der Spruch: „Du kleiner Schisser!“). Sie merken,
auch die Art der Erziehung hat mit Kommunikation zu tun und deshalb auch
Konsequenzen für die Beziehung.“
Diskommunikation, also aneinander vorbei kommunizieren, kann nicht nur, wie aus dem oben beschriebenen Beispiel zu erkennen, zu unerwünschtem Verhalten führen, sondern wird auch der Grunderziehung des Hundes sehr hinderlich sein. Hierzu ein weiteres Beispiel aus Jan Nijboer´s selbigem Buch:
„Arko“ soll das Kommando
„bei Fuß“ lernen. Das Kommando bedeutet, dass er an lockerer Leine links
neben Herrchen aufmerksam hergehen soll. Er ist angeleint, zieht an der
Leine nach vorne. Herrchen gibt ihm einen Leinenruck und sagt das
Kommando „Fuß“, wobei das „uss“ betont ausgesprochen wird. Dies passiert
wiederholt. Trotz aller Versuche läuft Arko nur bei Fuß, wenn Herrchen
die Leine kurz hält.
Erklärung:
Die
Nachrichten, die Herrchen an Arko sendet, werden von ihm nicht
verstanden, weil sie für ihn keinen Sinn ergeben und kein gemeinsames
Ziel nachvollziehbar ist. Herrchen kann sich den Mund „fuss“eling reden,
Arko wird ihm körperlich nicht folgen, da er ihm geistig nicht folgen
kann. Was ist passiert? Arko wird aus seiner Perspektive korrigiert
(Leinenruck) ohne dass er weiß, was er falsch gemacht hat. Dieser
Vorgehensweise des Menschen kann er geistig nicht folgen, da es für ihn
Sinn macht, so schnell wie möglich ans Ziel zu kommen und deshalb zügig
vorwärts zu gehen. Anscheinend muss der Mensch wohl ein anderes Ziel
vor Augen haben. Denkfehler Nummer 1: Der Mensch meint womöglich,
dass Hunde nicht denken müssen, sondern sich grundsätzlich unterordnen
sollen. Denkfehler Nummer 2: Herrchen denkt vielleicht, jetzt geht Arko
bei Fuß, ordnet sich also unter. Damit lügt er sich selbst in die
Tasche. Herrchen hält die Leine kurz und macht auf diese Weise
Fitnesstraining für seinen Arm. Arko und Herrchen arbeiten
gegeneinander. Die Kommunikation ist gestört und hat negative
Auswirkungen auf die Er- und somit auch auf die Beziehung.“
Kurz gesagt: Die Kommunikation zwischen Mensch und Hund ist der Spiegel der Beziehung!
